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18. November >> 20. Januar 2023

GEWEBE

Šimon Brejcha / Prag

Druckgrafik

Ausstellungseröffnung am Freitag den 18. November 2022 um 20 Uhr

Einführung: Veronika Krülle Kotoučová /
Euroregion Elbe/Labe

GEWEBE
Gewebe verbinden Šimon Brejcha mit dem globalen Denken über die Strukturen der Natur, ihr Verschwinden und über das Leben.
Šimon Brejcha ist ein international anerkannter tschechischer Grafiker, der die Möglichkeiten des großformatigen Druckes, des Abdruckes vorgefundener Naturrelikte, wie die Flügel, Häute, Stängel, entwickelt, und gleichzeitig in sein Werk sensibel die aktuelle Auffassung der menschlichen Wahrnehmung der Naturprozesse integriert.
Unbewusst sucht Šimon Brejcha nach archetypischen Spuren und konstruiert diese dann neu und bewusst spielerisch. Er formt die Aufzeichnungen, die von der Natur bewahrt und geweiht wurden, die Fragmente ihrer Präsenz in der städtischen Sphäre und im Menschen selbst. Die Spuren, die auf den ersten Blick ein Chaos, sogar einen möglichen Zerfall, bedeuten, gleichzeitig in ihnen aber der Kosmos, die ewige Ordnung des Universums, präsent ist.

Auf dem Gebiet der tschechischen Kunst hat die Strukturgrafik eine lange Tradition. Bereits in den 1950er Jahren begannen Künstler mit dem Druck von einer einzigartig geformten Matrize. Zum Beispiel Vladimír Boudník, der an das industrielle Umfeld gebunden war, formte die Druckplatten durch das Löten und das Schweißen der Überreste der industriellen Produktion. Der Abdruck einer solchen Matrize brachte anschließend ganz neue Materialienspuren ins Bild. Vladimír Boudník wurde ebenso wie Šimon Brejcha zu einem Grafiker mit Leib und Seele, da er den Abdruck der konstruierten Spuren – der Matrize — brauchte.

Im Gegensatz zu Vladimír Boudník, bezieht sich Šimon Brejcha derzeit jedoch nicht auf die Umgebung des mechanischen Maschinenbetriebs der städtischen Zivilisation. Šimon Brejcha sucht und gestaltet die Spuren der natürlichen Elemente, Oberflächen und Texturen, weicher und zerbrechlicher oder unsichtbarer Organismen um. Diese sind für ihn die Träger von neuen Geschichten. Die abgedruckte neue Realität ist ein Lukopren-Abguss eines Insekts, einer vorgefundenen abgestreiften Schlangenhaut.
Die Suche nach den Grenzen des Druckes brachte Šimon Brejcha zur Erfindung neuer technologischer Verfahren. Ihn interessiert die Multiplikation und die Schichtung eines Themas auf großen Formaten, was ihm den Rhythmus und die Tiefe des Bildes sowie die Transformation der Bedeutung der gedruckten Elemente ermöglicht zu untersuchen. Wie er selber sagt: „ Einen Dorn zu drucken hat eine ganz andere Bedeutung, als wenn ich ein ganzes Dornenfeld schaffe.“ Das Banale und Übersehbare kann sich in ein Zeichen umwandeln, das nicht nur eine Assoziationskette in dem Betrachter hervorrufen kann, sondern auch eine ziemlich prägnante Aussage über ein Ereignis oder den Stand der Dinge bringen kann.

Šimon Brejcha hat die Fähigkeit seinen gebauten Drucken ein monumentale Form einzuprägen. Einzigartig ist in seinem Werk die Kombination von großformatiger Grafik mit einem leichten Ausdruck. Dazu sind nur einige wenige Künstler der zeitgenössischen tschechischen Grafikszene fähig.
Gewebe sind Raster – Netze und Gitter der neuen, ursprünglich lebendigen Strukturen. Das, was sein Leben verloren hat, hat ein neues Leben gewonnen. Ein Leben voller Ordnung, in einem geometrischen Wiederholungsprinzip, der von dem Mensch geschaffen wurde. Gewebe ist eine Ausstellung der Arbeiten von Šimon Brejcha vor allem aus den letzten zwei Jahren.

Ausstellungskuratorin ist Eva Bendová, die gemeinsam mit dem Autor seine Grafikausstellungen in der Galerie Václav Špála in Prag im Jahr 2019 und in der Galerie Hollar im Jahr 2020 vorbereitete. Sie beteiligte sich auch an der Monographie des Künstlers.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Euroregion Elbe/Labe

Im Anschluss an die Eröffnung
OPEN AIR Licht-Sound Collage „Hillumination“
ab 20.30 Uhr

Licht von Andrea Hilger & Konzert von Hartmut Dorschner 

an der Hausfassade Ecke Böhmische Str./ Salinger Weg
OPEN AIR im Rahmen“ bleibt neugierig. Kulturstadt Dresden 2022

Ausstellung: bis 20.Januar 2023

Schlangenhaut; Šimon Brejcha