6. März >> 10. April 2026
Archival Shadows /
Schatten der Erinnerung
Installation, Objekte, Film von
Susan Donath in Kooperation mit Valérie Madoka Naito
ARCHIVAL SHADOWS zeigt ausgewählte Arbeiten von Susan Donath, die sich mit dem Verhältnis von Bild, Erinnerung und kollektiver Geschichte auseinandersetzen. Im Zentrum steht das Archiv als poetischer und politischer Raum: als Ort des Bewahrens, aber auch als Ort der Lücke, der Verschiebung und der Wiederaneignung.
Donaths künstlerische Praxis nutzt Sammeln, Ordnen und Rekontextualisieren als Mittel, um verborgene historische Schichten sichtbar zu machen und Fragen nach Verantwortung und Gegenwart zu stellen.
Ein zentraler Werkkomplex ist „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ (2023/24). Donath erzählt anhand historischer Postkarten chronologisch die Geschichte der Dresdner Synagogen. Die Karten stammen aus ihrer eigenen Sammlung und verweisen darauf, dass Postkartenbilder heute oft die einzigen bildlichen Zeugnisse zerstörter Synagogen sind. Das Werk untersucht, wie jüdische Architektur im visuellen Gedächtnis präsent war, verschwand und unter welchen Bedingungen sie wieder sichtbar gemacht werden kann.
Daran knüpft das Projekt „Die Bilder kommen zurück“ (2023) an. Ausgangspunkt ist Donaths Recherche zur ehemaligen Synagoge von Ústí nad Labem (Aussig), die auf historischen Bildmedien kaum als solche bezeichnet war. Durch systematisches Sammeln, Digitalisieren und Veröffentlichen von Postkartenmotiven auf der gleichnamigen Website stellt Donath diese Bilder erneut in einen öffentlichen Zusammenhang und versteht dies als aktiven Akt der Rückgabe ins kollektive Gedächtnis.
Ergänzt wird dieser Werkkomplex durch die filmische Zusammenarbeit mit Valérie Madoka Naito, die das Durchblättern der Alben in eine vergrößerte, intime Bildbewegung übersetzt. Der Film macht Donaths Arbeitsprozess sichtbar und erweitert die stille Archivarbeit um eine zeitbasierte, körperliche Dimension.
Susan Donaths Arbeiten innerhalb von ARCHIVAL SHADOWS verhandeln das Archiv nicht als abgeschlossenen Speicher, sondern als offenen Raum, in dem Bilder fortbestehen, sich verändern und neue Bedeutungen annehmen. Sie zeigen, wie künstlerische Praxis Erinnerung aktualisieren und historische Leerstellen neu adressieren kann.
Vernissage 06. März 19h
Rundgang zu städtebaulichen Projekten des Architekten Jürgen Mehlhorn / in Planung
Gefördert durch das Amt für Kultur und Denkmalschutz der LH Dresden und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen


15. April >> 5. Juni 2026
In Limbo / Grenzbereichsforschung
im Rahmen des 38.FILMFEST DRESDEN präsentieren wir
Objekte, Fotografie und Film
Katja Pratschke und Gusztáv Hámos
Im Zentrum der Ausstellung GRENZBEREICHSFORSCHUNG steht die Videoarbeit IN LIMBO (2022, 32 min), die sich mit dem Befreien von Zwängen, von Eigentumsansprüchen, den Verlust von Freiheit und den Kampf um Freiheit auseinandersetzt. Die Arbeit stellt persönliche Freiheit staatlichen Interessen und Definitionen gegenüber. Das für das Video und den Ausstellungsraum prozessierte fotografische Frühwerk des 1979 aus Ungarn nach Westberlin geflüchteten Künstlers Gusztáv Hámos dient der Kommunikation autobiografischer Erfahrungen: die Einberufung in die Volksarmee zum Wehrdienst, die Musterung und die Verweigerung. Die Selbstbestimmungsversuche setzt das Künstlerduo parallel zur Geschichte des Freiheitsplatzes in Budapest. Seit dem Abriss der kaiserlichen Kaserne und der Errichtung des Freiheitsplatzes haben die Machthabenden dort Skulpturen, Statuen und Denkmäler errichtet, um an den Kampf um die Freiheit und den Verlust der Freiheit zu erinnern. Die Ausstellung umfasst das Video IN LIMBO, sowie Fotoserien, Fototableaus und Fotoobjekte (1974-2024).
Die fotografischen Serien der 70ziger Jahre zeigen Fotoperformances, die künstlerische Strategien der Verweigerung und Selbstverwirklichung abseits von Herrschaftssystemen dokumentieren. SEINS FICTION (1980), integriert als Traumsequenz in der Videoarbeit IN LIMBO und Polaroidserien thematisieren Erlebnisse elementarer Grenzübertritte und gehen der Frage nach inwieweit das Sein fiktiv sein kann.
Schablonen, Fototableau, Fotoobjekt und Faltbogen, dekonstruieren einen öffentlichen Ort. Der Freiheitsplatz in Budapest ist Repräsentationsraum, er ist besetzt von Denkmälern und Statuen. Durch Dekonstruktion als Strategie der Demontage von Hierarchien wird ein kritischer Diskurs zum aktuellen Abbau und Austausch von Denkmälern, die nicht ins politische Narrativ der aktuell Regierenden passen, eröffnet.
Vernissage 15. April 19h
Einführung: Film Kurator Dr.Claus Löser (Berlin)
Gefördert durch das Amt für Kultur und Denkmalschutz der LH Dresden und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen


in Koperation mit dem 38. Filmfest Dresden