28. August >> 02. Oktober 2026
Körper / Bodies
Mira Friedrich und Christian Rätsch
Objekte, Installation und Fotografie
Mira Friedrich
Was ist Leben? Wie entsteht es? Wie wächst es, verwandelt sich und pflanzt sich fort?
Das sind Fragen, die meine Lust am Forschen und Entdecken wecken und die mich zu bildhauerischen Arbeiten inspirieren. Mein eigenes Staunen und Wundern über den Reichtum, die Vielfalt und Fruchtbarkeit, die uns umgeben, dient mir als Motivation. Mit forschender Neugier untersuche ich ungewöhnliche Formen des Wachsens, der Transformation und Fortpflanzung. Es fasziniert mich, wie viel Klarheit und Präzision es in den kleinen Dingen, die uns umgeben zu entdecken gibt und ich habe das Bedürfnis, diese Beobachtungen auch für andere sichtbar zu machen.
Bei der Umsetzung in eine Skulptur wird das Wahrgenommene sowohl bewusst als auch unbewusst verändert und manifestiert sich in einer neuen Form. Durch die künstlerische Umsetzung entsteht ein sinnlich erfahrbares Gegenüber, das den Betrachter*Innen eine neue Perspektive ermöglicht. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt kann die Auseinandersetzung mit handgefertigten Objekten einen wichtigen Gegenpol bieten.
Nicht selten tritt das Material selbst in den Vordergrund und prägt die Aussage meiner Werke. Vorzugsweise nutze ich gefundene Materialien, die ich zweckentfremde, oder natürliche Werkstoffe wie Holz und Keramik. Durch starke Vergrößerung und Abstraktion erscheinen meine Skulpturen fremd und vertraut zugleich und bieten daher viel Raum für Assoziationen.
Ich interessiere mich für eine Denkweise, die den Menschen nicht als Zentrum, sondern als Teil komplexer, miteinander verflochtener Lebenskontexte versteht. In erster Linie dient mir die direkte Naturbeobachtung als Inspiration. Das Interesse für eine mehr-als menschliche Welt wird allerdings durch die Lektüre von Andreas Weber, Jane Bennett, Merlin Sheldrake, Lynn Margulis, Dona Haraway und Ursula K. Le Guin bestärkt.
Meine Arbeiten betrachte ich als eine Einladung, der Andersartigkeit unserer Mitwesen (Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen) mit Offenheit zu begegnen und gängige Wertzuschreibungen zu hinterfragen.
Christian Rätsch
studierte Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Seine Arbeiten entspringen daher weniger einer fotografischen Tradition als einer bildhauerischen Haltung: dem Denken in Raum, Material und Form. Die Kamera wird zum Werkzeug, um den Moment festzuhalten, in dem ein räumliches Gebilde zur Fläche und damit zum Bild wird.
Aus alltäglichen Materialien wie Papier, Glas, Verpackungen, Schaumstoff, Pappe, Klebeband oder Folien entstehen temporäre, eigens für einen bestimmten Blickpunkt arrangierte Installationen. Erst durch die fotografische Aufnahme lösen sie sich aus ihrem räumlichen Zusammenhang und werden zu eigenständigen Bildern. Das Material verliert dabei seine ursprüngliche Funktion und erscheint in einem neuen Zusammenhang.
Rätsch interessiert die Grenze zwischen Objekt und Abbild, zwischen physischer Präsenz und optischer Wahrnehmung. Seine Fotografien sind keine Dokumentationen der entstandenen Installationen, sondern eigenständige Konstruktionen, in denen Raum, Material, Zeit und Perspektive zu einer Bildfläche verdichtet werden.
In dieser Überführung des Gewöhnlichen in eine andere Form liegt eine leise Poesie: Das Staunen über die Einfachheit der Dinge und ihre Fähigkeit, in eine andere, neue Form überführt zu werden und ihren ursprüngliche Zweck zu verlieren.
Vernissage 28. August 19h
Gefördert durch das Amt für Kultur und Denkmalschutz der LH Dresden und der Ostsächsischen Sparkasse
Aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres verschoben
Jürgen Mehlhorn - Einer der Retter der Inneren Neustadt
Geführter städtebaulicher Rundgang durch die Innere Neustadt mit zwei Weggefährten Mehlhorns: Udo Frenschkowski und Steffen Dörfel.
Jürgen Mehlhorn (1952-2016) war ein Dresdner Architekt und Denkmalschützer. Mit seinem Schaffen hatte er großen Anteil an der Wiederherstellung und dem Erhalt der historischen Bausubstanz in der Inneren Neustadt.
Während des Rundgangs besuchen wir Orte wie die Hauptstraße und das Societaetstheater, an denen man sein Wirken besonders gut aufzeigen kann. Gespickt mit der ein oder anderen Anekdote bringen uns Frenschkowski und Dörfel Mehlhorns Wirken näher.
Treffpunkt: Kügelgenhaus (Haus der Romantik), Hauptstraße 13
kostenfrei
Anmeldung unter: galerie@raskolnikow.de